Zum Leben zu wenig…

Eine wachsende Zahl Selbstständiger stockt ihr mageres Einkommen mit Arbeitslosengeld II auf. Vor allem Frauen, Solo-Selbstständige und Kreative erzielen nur ein geringes Einkommen. Die Zahl der “Aufstocker” hat sich seit 2005 fast verdreifacht. Das alles steht in der Studie “Selbstständige in der Grundsicherung”, die das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn veröffentlicht hat.

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Geschäft | Kommentieren

Kleine Abbitte an Chefs

Gerne gratuliere ich als Alleinschaffende mir dazu, dass ich selbstständig und meine eigene Chefin bin. Vor allem auf diese Kontrollfreaks unter den Vorgesetzten kann ich verzichten, die, die immer alles nochmal sehen wollen, was ihre Mitarbeiter gemacht haben. Das Leben ist einfach schöner ohne sie!

Leider ist es manchmal auch schwieriger. Zum Beispiel neulich. Da hatte ich mir keine ordentlichen Gesprächsnotizen gemacht, als ich mit einem Auftraggeber ein Projekt absprach. Bei manchen Aufträgen gibt es ja viele Details abzusprechen. Was wann zu tun ist, von wem und wie und so weiter. Und wie viel Geld man dafür bekommt. Hm, dachte ich ein paar Wochen später, als es an die Rechnungslegung ging, wie viel war das noch? Vage waberten zwei Summen durch meinen Kopf, aber auf welche hatten wir uns dann geeinigt? Das musste doch irgendwo stehen… Meine Gesprächsnotizen waren durchaus umfangreich, doch auch das hektischste Blättern und Wühlen förderte nichts Hilfreiches zutage.

Keine Notiz zum Honorar! Ist das möglich? Ja, leider, wenn man nämlich die Notizen nach der Maßgabe schreibt: Ich notier mir, was unwichtig ist, das wichtige merk ich mir auch so. Diese Methode ist prima, wenn die Infos so schnell prasseln, dass man es nicht schafft, alles mitzuschreiben. Logisch, dass die Sachen, die sowieso im Bewusstsein präsent sind, dann nicht extra notiert werden müssen. Logisch ist leider auch, dass nach Wochen und Monaten auch wichtige Informationen aus dem Gedächtnis herausrutschen können. Dann ist es sehr blöd, wenn man sie nicht nach dem Gespräch noch zu den Notizen hinzugefügt hat. Und wenn man keinen Chef hat, der rechtzeitig nach sowas fragt. Ungern gebe ich es zu, aber in so einem Moment könnte man ihn tatsächlich mal gebrauchen, den Kontrollfreak.

So blieb nur noch, den Auftraggeber anzurufen und zu klären, welches Honorar vereinbart war. Ein saurer Apfel, aber das kleinste Übel und die beste Lösung. Oder?

„Das Honorar, hm“, sagte der Auftraggeber, „das weiß ich auch nicht, dazu hatte ich mir dummerweise nichts notiert.“

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Alltag,Selbstmanagement | 5 Kommentare

Sein eigener Chef sein – wie geht das?

Selbst bestimmen können über die eigene Arbeitszeit und Arbeitsweise, das ist einer der großen Pluspunkte des Einzelkämpferdaseins. Es ist aber auch eine große Herausforderung, zumal im Homeoffice, wie der Kollege Robert Chromow in diesem interessanten Artikel auf akademie.de feststellt.

Er beschreibt darin, wie seine Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer weiter verschwommen sind und wie seine Arbeit und seine Motivation darunter gelitten haben. Erfreulicherweise verrät er auch, wie er diese Probleme in den Griff bekommen hat.

Der Artikel ist sehr lesenswert!

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Alltag,Kollegen,Selbstmanagement | Kommentieren

Freiwillig unter Leuten arbeiten

Im Wirtschaftsteil der Welt ist am Sonntag (24.10.10) ein Artikel erschienen, in dem es darum geht, dass auch solche Leute beim Arbeiten Gesellschaft suchen, die die Wahl hätten, allein und in Ruhe zu arbeiten. “Im Zweifel ist es im Büro doch am schönsten” lautet der Titel.
Der Autor Steffen Fründt schildert darin seine Begegnungen mit selbstständigen Coworkern in Hamburg, die ihr eigener Chef sind und auch einfach zuhause bleiben könnten. Statt dessen kämpfen sie sich durch den Berufsverkehr ins Büro, geben dafür sogar noch Geld aus und ertragen den Lärm der anderen Coworker. Völlig freiwillig, weil es so schön ist. Und so inspirierend, belebend und disziplinierend.
Ein lesenswerter Text, in dem meine Wenigkeit an einer Stelle auch zu Wort kommt (aber nicht als Coworkerin, sondern als Expertin).

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Alltag,Arbeiten | Kommentieren

Wo arbeiten? – Neue Broschüre

Heute kann ich erfreulicherweise ein neues eigenes Werk präsentieren, und zwar eine Broschüre, die ich für den DIHK verfasst habe:

Homeoffice, Laden, Bürogemeinschaft? Wie Selbstständige den richtigen Arbeitsort finden.

Es geht darin um die Frage, wo man eigentlich am besten arbeitet, worauf man achten muss, wenn man sich für einen Arbeitsort entscheidet.

Zum Inhalt: Ein eigenes Büro, ein eigener Laden, oder doch lieber erstmal zuhause arbeiten? Wer sich selbstständig macht, muss sich einen passenden Arbeitsort suchen. Dabei spielen betriebswirtschaftliche Faktoren von den Mietkosten bis zu den Investitionen in die Ausstattung der Räume eine Rolle. Auch sind steuerliche Fragen und Bauvorschriften zu berücksichtigen.

Der neue DIHK-Ratgeber „Homeoffice, Laden, Bürogemeinschaft? – Wie Selbstständige den richtigen Arbeitsort finden“ informiert ausführlich und verständlich über alle Fragen, die bei der Wahl des Arbeitsortes von Bedeutung sind. Es geht um Vorschriften und Kosten, aber auch um arbeitspsychologische und gesundheitliche Aspekte: Worauf muss man bei der Büroeinrichtung achten, welche Rollen spielen Nachbarn und Mitmieter, und wie können sich unterschiedliche Räume auf Motivation und Wohlbefinden auswirken? Der Ratgeber informiert über die Vor- und Nachteile der einzelnen Arbeitsorte, gibt zahlreiche praktische Tipps zur Arbeitsorganisation und macht seine Leser auch mit neuen Arbeitsformen wie Coworking vertraut. Checklisten und nutzwertig aufbereitete Fakten unterstützen die Leser dabei, alle wesentlichen Fragen zu berücksichtigen, um so eine tragfähige Entscheidung zu treffen und Fehlinvestitionen zu vermeiden.

Die Broschüre hat 86 Seiten, Erscheinungsjahr ist 2010, und sie kostet 10 Euro.

Bestellen kann man sie auf dem Portal des DIHK (das ist übrigens der Deutsche- Industrie und Handelskammertag), wenn man dort auf “Publikationen” klickt. Dort findet sich auch ein “Blick ins Buch”.

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Alltag,Arbeiten,Geschäft,Nützliches,Selbstmanagement | 1 Kommentar

Irgendwas ist immer zu tun

Einen – einzigen! – guten Aspekt habe ich dem Sozialabbau der letzten Jahre abgewinnen können: Ich stoße auf mehr Verständnis, wenn ich als Selbstständige über meine Geschäftsschwankungen klage. Den mahnenden Hinweis: „Dann such dir doch eine Festanstellung“ muss ich mir nicht mehr anhören. So viel sicherer stehen Angestellte nämlich nicht mehr da. Wenn sie ihren Job verlieren, bekommen sie zwar Arbeitslosengeld, doch schon bald sind sie auf die gleiche staatliche Wohlfahrt angewiesen wie ich.

So fällt, wenn auch aus überaus ärgerlichen Gründen, ein Argument gegen Selbstständigkeit weg. Die Unsicherheit ist ja ein großes Thema für Selbstständige und für alle Menschen, die über eine Existenzgründung nachdenken. Positiv ist an ihr ist, dass der Beruf meist spannend und aufregend bleibt, wenn man selbstständig ist, weil man immer wieder auf neue Auftraggeber und Kollegen trifft und mit den neuen Aufträgen auch neue Erfahrungen locken. Es ist aufregend, selbstständig zu sein. Die Kehrseite der Medaille ist natürlich die schwankende Auftragslage, die Ungewissheit, ob regelmäßig genug Geld hereinkommt.

Doch nach etlichen Jahren auf schwierigen Märkten muss ich sagen, selbst in Krisensituationen weiß ich meine Selbstständigkeit zu schätzen. Neue Aufträge zu suchen  kostet zwar Kraft, gelegentliche Unterdeckung zerrt an den Nerven. Dafür  bleibt das Geschäft in Bewegung. Akquise geht schneller, Anfragen und Angebote sind unkomplizierter und flexibler zu versenden, es gibt ein Netzwerk an Kollegen und Auftraggebern, und dann bewegt sich hier etwas und da etwas. Und wenn es nur Kleinkram ist, so ist doch immer irgendwas zu tun. Das tut der Psyche ziemlich gut! Meiner jedenfalls. Ich fände es viel schwieriger, ständig auf die Antworten für Bewerbungen warten und bei Null anfangen zu müssen, wenn ich eine Festanstellung verliere.

Es gibt natürlich auch andere Erfahrungen, schon weil es unterschiedliche Arten von Selbstständigkeit gibt. Wer sehr große und über Monate oder Jahre dauernde Projekte akquiriert, hat oft einen ähnlichen Aufwand wie Leute, die sich auf Festanstellungen bewerben. Dafür kommen vielleicht mehr Geld und Stetigkeit dabei heraus.

Mein Umgang mit der Unsicherheit ist daher nur eine Erfahrungen von vielen. Und sowieso nur einer von vielen Aspekten der Selbstständigkeit. Wer weitere Erfahrungen lesen und nachdenken möchte, klicke zu Selbstständig im Netz. Da läuft noch bis 30. September die Blogparade „Positive und negative Erfahrungen in der Selbstständigkeit“. Dieser Text ist ein Beitrag dazu.

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Denken,Kollegen | 1 Kommentar

Neue Ich-Kollegen

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat ihren jährlichen Gründungsmonitor veröffentlicht und meldet, dass es 2009 wieder mehr Unternehmensgründungen gab. Und zwar machten sich 872.000 Personen haupt- oder nebenberuflich selbstständig. Das waren zehn Prozent mehr als 2008.

Mehr als die Hälfte dieser Gründer begrüßen wir als Ich-Kollegen: 58,9 Prozent der neuen Selbstständigen sind Solo-Gründer ohne Mitarbeiter, haben sich also als Einzelpersonen selbstständig gemacht.

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Denken,Kollegen | 3 Kommentare

Erst arbeitslos, dann erfolgreich

Arbeitslose, die sich selbstständig machen, sind erfolgreicher als gedacht: Zwei Drittel von ihnen sind nach fünf Jahren noch auf dem Markt. Fast die Hälfte hat noch Jobs für andere Menschen geschaffen. Nur zehn Prozent der vormals arbeitslosen Existenzgründer sind nach fünf Jahren wieder arbeitslos gemeldet.

Über diese ermutigende Entwicklung berichten das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in einer Studie. Eine “sichere Nummer” ist die Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit deshalb nicht:  Zwar trägt das Motiv, die Arbeitslosigkeit zu beenden, zum Erfolg einer Gründung bei. Wichtig sind jedoch auch die Wahl der richtigen Marktlücke und die Lust darauf, sein eigener Chef zu sein. Wer sich, weil letzteres ihn weniger treibt, rein aus der Not der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig macht, hat – statistisch – weniger Chancen auf Erfolg, so die Studie.

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Denken | Kommentieren

Wie viele Alleinarbeiter gibt es eigentlich?

Diese Frage wird mir öfter gestellt. Zu Recht – schließlich habe ich zu diesem Thema zwei Bücher geschrieben – und leider, denn: Die Zahl der Alleinarbeiter zu ermitteln, ist kompliziert und führt zu keinem genauen Ergebnis.

Das Finanzamt zählt „Einzelunternehmer“ – Einzelpersonen, die sich allein, also ohne Partner oder Teilhaber selbstständig machen. Diese Zahl liegt in Deutschland bei rund zwei Millionen (Quelle: Statistisches Bundesamt). Bestimmt arbeiten viele von ihnen tatsächlich allein. Freie Autoren zum Beispiel. Oder Dozenten. Oder IT-Berater. Aber was ist mit den Journalisten, die täglich eine Redaktion aufsuchen und dort zum Tageshonorar wie die angestellten Redakteure Artikel und Seiten produzieren (Fachbegriff: Pauschalisten)? Oder mit IT-Beratern, die beim Kunden vor Ort programmieren, und zwar im Team? Ganz zu schweigen von all jenen Einzelunternehmern, die noch Mitarbeiter beschäftigen, wie die Ladenbesitzerin und ihre Aushilfe, der Handwerker und seine Angestellten, Ärzte, Anwälte…

Wegen dieser Ungenauigkeiten wurde der Begriff der Solo-Selbstständigen erfunden. Rund 2,3 Millionen Solo-Selbstständige gab es 2007 in Deutschland, laut Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes. Gemeint sind Selbstständige ohne Mitarbeiter. Da kommen wir der Sache zwar schon näher. Allerdings bleibt weiterhin nicht ausgeschlossen, dass diese Solo-Selbstständigen im Team arbeiten, wie die selbständige Programmiererin, die fest ins Projekt  eingebunden ist, oder der erwähnte freie Journalist, der als Pauschalist in der Redaktion arbeitet.

Selbstständigkeit eignet sich also nicht wirklich als Kriterium für das Alleinarbeiten. Ohnehin arbeiten ja auch manche Angestellte allein. Wissenschaftler und Lehrer zum Beispiel. Die Empfangsdame im Foyer, der Wachmann am Parkplatz. Sind wir darüber hinaus bereit, all die Menschen einzubeziehen, die ohne Arbeitsverträge und Entgelt tätig werden, dann bereichern auch Hausfrauen, Mütter, Jobsuchende und Studenten die Palette.

Der vorläufig letzte Versuch, aufschlussreiche Zahlen über Alleinarbeiter zu finden, ist der Blick ins Homeoffice. Hochgerechnet aus dem Mikrozensus 2007 des Statistischen Bundesamtes gibt es 5,3 Millionen Menschen in Deutschland, die ganz oder teilweise zuhause arbeiten. Doch Vorsicht: Diese Zahl enthält auch Telearbeiter, die nur einen Teil ihrer Arbeit zuhause machen und doch öfter ins Büro fahren. Und in jedem Fall sind Homeworker nur ein Teil der Alleinarbeiter, weil ihre Zahl nichts über diejenigen aussagt, die sich ein externes Büro anmieten oder angestellt, aber trotzdem allein arbeiten.

Fazit: Wir sind viele, das steht fest. Die Suche nach genauen Zahlen fördert allerdings vor allem die Erkenntnis darüber, was wir nicht wissen. Nun, das ist ja anderen großen Denker auch schon passiert…

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Denken | Kommentieren

Buchtipp: Recht für Existenzgründer

Wenn ich mich als Dozentin selbstständig mache, könnte ich dann gleich ein eigenes Institut gründen? Wie wird man Wirt? Welche Unternehmensform passt zu mir, und wie setze ich im Streitfall mein Recht durch? – Existenzgründer haben viele Fragen. Einen wirklich nützlichen Ratgeber für sie zu schreiben, ist ein Balanceakt zwischen dem kleinen gemeinsamen Nenner jener Fragen, die alle betreffen, und der großen Versuchung, sich in Detailfragen einzelner Berufsgruppen zu verlieren.

Der Rechtsratgeber für Existenzgründer“ von Eva Engelken hält diese Balance. Er beantwortet branchenspezifische Fragen und geht auf die besonderen Bedingungen einzelner Berufe ein. Doch die Detailerkundung stoppt rechtzeitig, meist mit Verweisen auf weitere Informationsquellen. Das Ergebnis ist ein gelungene Mischung aus Grundlagen, Überblick und Spezialhinweisen. Wer neu ist in der Selbstständigkeit, erfährt alles wichtige und weiß nach der Lektüre, worum er sich zu kümmern hat: Versicherungen, Steuern, Buchhaltung, Gewerbe oder nicht, Vertragsformen, Unternehmensformen etc., jeweils mit Hinweisen, worauf man achten muss. Das ist viel, aber „Der Rechtsratgeber für Existenzgründer“ ordnet den organisatorischen Wust und macht handhabbare Aufgaben daraus.

Wer schon gegründet hat und sich eigentlich zu den „Fortgeschrittenen“ zählt, braucht so einen Ratgeber nicht dringend. Trotzdem kann man auch als „alter Hase“ von der Lektüre profitieren. Sei es aus allgemeinem Interesse, Wissenslücken über das Geschäft zu schließen, sei es, weil sich so gut prüfen lässt, ob die eigenen Kenntnisse noch auf dem neusten Stand sind.

Also: Volle Punktzahl.

Eva Engelken: Der Rechtsratgeber für Existenzgründer, Redline Verlag 2009, ISBN 978-3-86881-025-7, 17,90 €.
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Das Blog zum Buch: Rechtsratgeber für Existenzgründer

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Geschäft,Nützliches | Kommentieren