Fotografen…

Die Ich-Kollegin hat (erfreulicherweise) viel zu tun dieser Tage und weist daher statt eigenem Urhebens auf diesen lesenswerten Beitrag über Selbstvermarktung hin, geschrieben von dem Noch-Fotografen Samuel Kümmel. Noch-Fotograf, weil er den Beruf zum Jahresende nach fünf Jahren wieder aufgibt.

Ich stieß übrigens über einen Hinweis von der Ebook-Autorin und Bloggerin Irene Gronegger darauf.

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Geschäft,Kollegen | 1 Kommentar

Solo-Selbstständige zu hoffnungsvoll?

Es gibt immer mehr Solo-Selbstständige – also Unternehmer, die allein tätig sind, ohne Mitarbeiter. Das meldet heute das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW), das die Entwicklung der Jahre 2000 bis 2011 analysiert hat. Demnach sind inzwischen 2,6 Millionen Menschen in Deutschland Solo-Selbständige – ihr Anteil an allen Selbstständigen liegt bei 57 Prozent.

Als Grund für den Schritt in die Selbstständigkeit haben viele Befragte angegeben, dass sie ihr eigener Chef sein und eigene Ideen umsetzen wollten. Ob das gelingt, sagt das DIW nicht. Wenn man aber die Märkte der für Solo-Selbstständige typischen Berufe betrachtet, sind Zweifel erlaubt. Der Studie zufolge sind vielen von ihnen künstlerisch-kreativ tätig. In diesen Bereichen ist es nicht leicht, erträglich zahlende Auftraggeber zu finden – die jedoch braucht, wer eigene Ideen umsetzen möchte. Mit den Schwierigkeiten auf den Märkten für künstlerisch-kreative und ähnliche Berufe dürfte auch zu tun haben, dass viele Menschen sich selbstständig machten, weil sie keinen festen Job finden konnten.

Der am zweithäufigsten mit der Selbstständigkeit verbundene Wunsch hieß übrigens “mehr Geld verdienen”. Sollen wir darüber lachen, weil Optimismus schließlich was schönes ist? Oder sollten wir weinen, weil die Chancen auf Reichtum für Solo-Selbstständige doch eher grottig sind? Bei letzterem haben wir noch eine Pest-oder-Cholera-Wahl: Entweder sind die Selbstständigen in spe schlechte Rechercheure gewesen. Oder die anderen Jobs waren so unterirdisch schlecht bezahlt, dass das Selbstständigendasein trotz seiner Kargheit vorzuziehen war… wie gruselig!

Hören wir lieber auf zu denken und hoffen wir, dass es als Happy End zu betrachten ist, dass knapp die Hälfte der Solo-Selbstständigen in den ersten fünf Jahren ihre Selbstständigkeit wieder aufgaben und in eine Festanstellung wechselten.

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Denken,Geschäft,Kollegen

Vermehrt

Die Solisten unter den Selbstständigen sind mehr geworden; Solo-Selbstständige stellen jetzt die Mehrheit der Unternehmer. Das steht in einer Kurzstudie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Ihre Autoren sehen die Ursache in den technischen Entwicklungen, die es Einzelpersonen ermöglichen, vielfältige Dienstleistungen anzubieten. Außerdem wirke sich die staatliche Förderung für Existenzgründer bis 2006 aus.

Diejenigen, die als Ich-AG gefördert wurden, sind übrigens zu zwei Dritteln allein geblieben.  (Das Programm lief von 2003 bis 2006).

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Denken,Geschäft

Presseschau

Heute möchte ich auf zwei lesenswerte Artikel aufmerksam machen.

In der taz schreibt Anne Haeming unter dem Titel “Einer für die Kleinstadt” über einen Journalisten namens Klaus Fischer, der ganz allein den Lokalteil Ettenheim der Badischen Zeitung produziert. Der Artikel beschreibt sehr anschaulich, wie es zugeht beim Alleinarbeiten, schildert Einsamkeit und Freiheit. Man lernt übrigens auch was über die – leider frustrierende – Arbeitsrealität mancher Medienschaffenden.

Spiegel online hat ein Interview mit dem Chef des Berliner Cafés St. Oberholz, Ansgar Oberholz. Vorwarnung: Darin geht es weder ums Alleinarbeiten, noch präsentiert sich Ansgar Oberholz als Einzelkämpfer. Aber das St. Oberholz ist ein berühmter Ort für Allein-Arbeiter, denn war eines der ersten Cafés mit Internetzugang, und hier sitzt die Laptop-Generation, bis vor einiger Zeit “digitale Bohème” genannt. Wie unplanmäßig alles angefangen hat, ist in dem Interview nachzulesen. Anlass: Oberholz hat ein Buch geschrieben über sein Café.

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Denken,Kollegen

Coworking: Nur manchmal kreativ

Einen differenzierten Blick auf Coworking hat Janet Merkel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Wissenschaftszentrum Berlin (WZB), entwickelt.  Sie hinterfragt, ob es in den Coworking-Spaces wirklich immer so kreativ und kommunikativ zugeht, ist im Interview auf changeX zu lesen.

 

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Arbeiten,Denken

Unvertretbar

Zu später Stunde, nach Einnahme enthemmender Flüssigkeiten in ausreichender Menge, offenbart die befreundete Berufskollegin, warum sie sich niemals krank meldet: Dann müsste sie ja jemand vertreten. Und diese Vertretung sähe dann, wie die Kollegin arbeitet. Ihre Überlebenschancen, sagt die Kollegin, sind größer, wenn sie sich krank ins Büro schleppt, als wenn irgendjemand sieht, wie sie arbeitet.

Diese befreundete Kollegin arbeitet nämlich angestellt, aber sehr selbstständig, und die Freiheit, ihre Arbeit nach ihrem Gutdünken organisieren zu können, genießt sie in vollen Zügen. Also, normalerweise, wenn sie nicht krank ist und fürchten muss, dass jemand versucht, durch ihr System, äh, Chaos durchzusteigen. Denn sie hat nicht alles vorbildlich dokumentiert. Ihre Ordner und ihre Ablage ähneln einem Korallenriff: Im Laufe des Lebens und der Gezeiten gewachsen, bunt, vielfältig, und irgendwie schön – aber wer etwas Bestimmtes sucht, muss tief und lange tauchen. Ihr Suchsystem funktioniert nach der Erinnerung: Neulich gemailt, da muss die Adresse irgendwo im Postfach zu finden sein… Kurz, wer hier Vertretung macht, muss erstmal einen Monat aufräumen. (Das übrigens tut die Kollegin einmal im Jahr selbst, nämlich, wenn sie ihre urlaubsbedingte Abwesenheit vorbereitet. Hinterher ist sie einen weiteren Monat mit Suchen beschäftigt, weil sie sich nicht erinnert, nach welchem System sie aufgeräumt hatte.)

So weit, so typisch – genau die gleiche Geschichte hatte ich kurz vorher von einem Freund gehört, der als Projektleiter arbeitet und niemals krank werden kann, weil er sich für so unordentlich hält.

Was schlussfolgern wir: Viele der vermeintlichen Helden, die sich mit Fieber an den Schreibtisch schleppen, sind in Wahrheit verschämte kleine Wurschtler mit genau den gleichen menschlichen Schwächen und Sorgen wie wir. Tröstlich. Aber auch tragisch, dass keiner das vom anderen weiß und sich deshalb jeder für einzigartig hält in seiner Fehlbarkeit.

Vielleicht sollten wir Vertretungsclubs gründen: Einen Tag im Jahr vertreten wir uns gegenseitig, damit wir alle merken, dass die anderen auch mit Provisorien arbeiten und wir keineswegs die einzigen sind, die hier etwas mogeln und da mal schummeln… Aber dann würden wir wahrscheinlich alle vorher wochenlang aufräumen, um uns nicht vor der Vertretung zu blamieren, und gegenseitig wären wir dann dermaßen von der vorgefundenen Ordnung am Arbeitsplatz des Kollegen beeindruckt, dass wir uns anschließend noch viel schämen würden…

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Alltag,Kollegen,Selbstmanagement

Gute Tage sind doof

So herrlich es ist, einen guten Tag zu haben, so verfluchenswert sind sie auch. Man verdirbt sich sozusagen die eigenen Sitten. Ich meine solche Tage, an denen es einfach flutscht. Alles geht leicht von der Hand, die Arbeit ist in der Hälfte der veranschlagten Zeit fertig, hat sogar noch Spaß gemacht, und am Ende ist noch massig Energie für weitere Aktivitäten übrig.

Berauscht von meiner phantastischen Leistungsfähigkeit plane ich nach solchen Tagen deutlich weniger Zeit für meine Arbeiten ein und nehme mir das doppelte vor, denn ich habe ja gesehen: Ich kann unheimlich viel schaffen. Ich bin fit, ich bin stark, ich bin einfach gut! – Ich weiß nicht, warum ich immer wieder auf mich selbst hereinfalle. Denn natürlich folgen früher oder später auf die guten Tage wieder diese anderen Tage, die ich als Kaugummitage bezeichne: Nichts geht schnell, alles dauert ewig, am Abend ist die To-Do-Liste nahezu identisch mit ihrer Morgenfassung, und ich bin trotzdem erschöpft. Von Spaß keine Spur.

Bleibt nur die Hoffnung, dass ich irgendwann verinnerlichen werde, dass gute Tage nur deshalb gute Tage sind, weil es auch die normalen und die schlechten Tage gibt…

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Alltag,Arbeiten,Selbstmanagement | 6 Kommentare

Sind Meetings Arbeit?

Ob wiederkehrender Trödelanfälle von schlechtem Gewissen geplagt, liest die Homeworkerin staunend in der E-Mail einer Bekannten: “Ich muss eigentlich noch viel arbeiten heute, aber jetzt habe ich erstmal ein Meeting”.

Äh, und was ist ein Meeting? Eine große Pause? Das würde zumindest erklären, warum von 5 Arbeitstagen in Unternehmen eigentlich nur 3 Tage wirklich als produktiv bezeichnet werden können, wie die “Karrierebibel” heute aus einer microsoft-Studie zitiert. Der Rest der Zeit werde verdaddelt oder verquatscht.

Merke: Solange Daddeln und Quatschen in einem Bürogebäude stattfindet, sieht es nach Arbeit aus und wird auch als solche bezeichnet.  Pech für Homeworker…

 

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Arbeiten

Zum Leben zu wenig…

Eine wachsende Zahl Selbstständiger stockt ihr mageres Einkommen mit Arbeitslosengeld II auf. Vor allem Frauen, Solo-Selbstständige und Kreative erzielen nur ein geringes Einkommen. Die Zahl der “Aufstocker” hat sich seit 2005 fast verdreifacht. Das alles steht in der Studie “Selbstständige in der Grundsicherung”, die das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn veröffentlicht hat.

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Geschäft

Brainstormt besser selbst

Dass Kollegen nerven und Meetings viel Zeit rauben, ist eine oft gehörte Klage, die Alleinarbeiter in den tristeren Stunden ihres Daseins trösten kann.  Und wen beim Ringen um einen zündenden Einfall gerade die Sehnsucht nach einer inspirierenden Gruppe packt, sei gewarnt: Selbst Brainstormings seien im Team weniger ergiebig als wenn Menschen einzeln nachdenken, lautet die deprimierende Wahrheit, zu lesen in einer Pressemitteilung der Wirtschafts- und Organisationspsychologie an der Universität Münster (OWMs), in der die zusätzliche Motivation durch Teamarbeit bezweifelt wird.

Weil Teamarbeit für viele Projekte und Unternehmen trotzdem alternativlos bleibt, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) laut der genannten Pressemitteilung gerade 320.000 Euro für ein Forschungsprojekt bewilligt, in dem herausgefunden werden soll, wie Teamarbeit so organisiert werden kann, dass sie produktiv ist. Eine gute Sache für hoffentlich viele davon profitierende Kollegen! Wir Einzelkämpfer freuen uns mit, und nebenbei fragen wir uns, zu welcher Hochform unsereins wohl auflaufen würde, wenn mal mit solchen Summen erforscht würde, wie das Alleinarbeiten verbessert werden könnte…

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Arbeiten,Denken,Kollegen