Allein unter Kunden

Wenn jemand den ganzen Tag unter Menschen ist, kommt man kaum darauf, ans Alleinarbeiten zu denken. Doch im Einzelhandel ist genau das ein Trend, der um sich greift: Möglichst nur einen Verkäufer in den Laden zu stellen, der die Ware rein- und ausräumt, die Kasse macht, Kunden berät und Ladendiebe erwischt.

Längst betrifft das nicht mehr nur in die Schlagzeilen geratene Drogeriemärkte. Auch in Buchläden, Modefilialen oder Schreibwarengeschäften sieht man Verkäufer immer häufiger allein arbeiten. Nicht so schlimm? Von wegen: Wann bitte soll man auf Toilette gehen, wenn man stundenlang allein im Laden steht? Einfach mal kurz abschließen funktioniert bei moderneren Ladenkonzepten leider schlecht, dem stehen  komplizierte Türsysteme oder Warentische auf der Straße im Weg.

Wer heutzutage noch politisch korrekt einkaufen möchte, hat es schwer. Dass manche Imbissbetreiber oder Kioskpächter darüber nur müde lächeln können, macht die Sache nicht besser.

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Denken | Kommentieren

Wie viele Alleinarbeiter gibt es eigentlich?

Diese Frage wird mir öfter gestellt. Zu Recht – schließlich habe ich zu diesem Thema zwei Bücher geschrieben – und leider, denn: Die Zahl der Alleinarbeiter zu ermitteln, ist kompliziert und führt zu keinem genauen Ergebnis.

Das Finanzamt zählt „Einzelunternehmer“ – Einzelpersonen, die sich allein, also ohne Partner oder Teilhaber selbstständig machen. Diese Zahl liegt in Deutschland bei rund zwei Millionen (Quelle: Statistisches Bundesamt). Bestimmt arbeiten viele von ihnen tatsächlich allein. Freie Autoren zum Beispiel. Oder Dozenten. Oder IT-Berater. Aber was ist mit den Journalisten, die täglich eine Redaktion aufsuchen und dort zum Tageshonorar wie die angestellten Redakteure Artikel und Seiten produzieren (Fachbegriff: Pauschalisten)? Oder mit IT-Beratern, die beim Kunden vor Ort programmieren, und zwar im Team? Ganz zu schweigen von all jenen Einzelunternehmern, die noch Mitarbeiter beschäftigen, wie die Ladenbesitzerin und ihre Aushilfe, der Handwerker und seine Angestellten, Ärzte, Anwälte…

Wegen dieser Ungenauigkeiten wurde der Begriff der Solo-Selbstständigen erfunden. Rund 2,3 Millionen Solo-Selbstständige gab es 2007 in Deutschland, laut Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes. Gemeint sind Selbstständige ohne Mitarbeiter. Da kommen wir der Sache zwar schon näher. Allerdings bleibt weiterhin nicht ausgeschlossen, dass diese Solo-Selbstständigen im Team arbeiten, wie die selbständige Programmiererin, die fest ins Projekt  eingebunden ist, oder der erwähnte freie Journalist, der als Pauschalist in der Redaktion arbeitet.

Selbstständigkeit eignet sich also nicht wirklich als Kriterium für das Alleinarbeiten. Ohnehin arbeiten ja auch manche Angestellte allein. Wissenschaftler und Lehrer zum Beispiel. Die Empfangsdame im Foyer, der Wachmann am Parkplatz. Sind wir darüber hinaus bereit, all die Menschen einzubeziehen, die ohne Arbeitsverträge und Entgelt tätig werden, dann bereichern auch Hausfrauen, Mütter, Jobsuchende und Studenten die Palette.

Der vorläufig letzte Versuch, aufschlussreiche Zahlen über Alleinarbeiter zu finden, ist der Blick ins Homeoffice. Hochgerechnet aus dem Mikrozensus 2007 des Statistischen Bundesamtes gibt es 5,3 Millionen Menschen in Deutschland, die ganz oder teilweise zuhause arbeiten. Doch Vorsicht: Diese Zahl enthält auch Telearbeiter, die nur einen Teil ihrer Arbeit zuhause machen und doch öfter ins Büro fahren. Und in jedem Fall sind Homeworker nur ein Teil der Alleinarbeiter, weil ihre Zahl nichts über diejenigen aussagt, die sich ein externes Büro anmieten oder angestellt, aber trotzdem allein arbeiten.

Fazit: Wir sind viele, das steht fest. Die Suche nach genauen Zahlen fördert allerdings vor allem die Erkenntnis darüber, was wir nicht wissen. Nun, das ist ja anderen großen Denker auch schon passiert…

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Denken | Kommentieren

Ruhiger Sonntag…?

Haben auch Freiberufler das „Recht auf einen ruhigen Sonntag“, wie es die Kollegin Elke Hesse in ihrem Blog auf wort-gestalten.de fordert?

Wo wir uns doch auch einen ruhigen Mittwoch oder Montag oder Donnerstag nehmen könnten?

Manche Auftraggeber scheint der Hinweis auf das Wochenende tatsächlich zu verwirren. Das ist wirklich nicht so nett. Aber mal ganz ehrlich, liebe Kollegen Freiberufler: Machen wir uns nicht oft genug den Stress selbst? Sind es wirklich immer die Auftraggeber, die uns nötigen, das Wochenende am Schreibtisch zu verbringen?

Ich hätte noch ein paar hausgemachte Alternativen:

- Ich hatte einen freien Montag.

- Ich finde mein aktuelles Projekt total spannend und habe deshalb Lust zum Arbeiten – mir doch egal, ob Sonntag ist (und ob ich ein Streber bin).

- Deadline-Druck wegen monströser Aufschieberitis.

- Ich finde keine nette Gesellschaft an diesem Sonntag. Alle meine Freiberufler-Freunde arbeiten.

- Meine Heizung ist kaputt, im Büro ist es dagegen schön warm.

- Ich hatte einen freien Donnerstag.

- Ich will unbedingt reich werden und arbeite, so viel ich kann.

- Arbeit lohnt sich ja jetzt wieder (harr harr).

- Eigentlich hatte ich Freitag alles fertig gemacht, aber ich schau lieber nochmal drauf, ob nicht vielleicht doch irgendwo noch ein handgemaltes Komma zu optimieren wäre.

- Wenn ich jetzt nicht arbeite, habe ich keine Ausrede mehr, um mich vor dem Sport zu drücken.

- Wenn ich jetzt nicht arbeite, muss ich am Familienleben teilnehmen…

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Alltag, Denken, Selbstmanagement | 3 Kommentare

Kreative am Existenzminimum, heute: Berlin

Über Kreative in Berlin, die ihre Arbeit lieben, tolle und interessante Jobs haben, bloß leider kaum davon leben können, schreibt aktuell der Tagesspiegel.

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Denken, Geschäft | 1 Kommentar

Selbstvermarktung für alle

Auf Zeit.de steht aktuell ein Interview mit Karl Nessmann, Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Uni Klagenfurt, über die individuelle Selbstvermarktung. Jeder betreibt sie, egal ob angestellt oder selbstständig, Teamplayer oder Einzelkämpfer. Wer praktische Tipps sucht, kann sich die Lektüre schenken, wer reflektieren möchte, liegt richtig: Nessmann liefert Thesen zur Bedeutung der individuellen Selbstvermarktung und ordnet sie historisch ein.

(Journalisten können außerdem lernen, wie man ein Interview mehrfach verwertet: Die Autorin Tina Groll hat aus dem Interview noch einen Artikel über Selbstvermarktung gemacht.)

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Denken | Kommentieren

Unsinn übers Homeoffice

Das Homeoffice senke die Produktivität, steht heute in dem Artikel „Der Unsinn des Homeoffice“ auf FAZ.NET. Er berichtet über Studien, denen zufolge Menschen langsamer arbeiten, wenn sie allein sind. Und zieht entsprechend niederschmetternde Schlussfolgerungen fürs Homeoffice.

Bloß: Welcher moderne Homeworker klebt denn Tüten in seinem Homeoffice? Oder kassiert? Klingt nach Unsinn im Homeoffice, doch waren es solche Arbeiten, die laut FAZ-Artikel in den Studien getestet wurden. Allerdings nicht im heimischen Büro, sondern in irgendwelchen Testräumen oder im Laden. Wenig überraschend, die Probanden tüteten eifriger ein und scanten schneller, wenn sie im Team tätig waren, als wenn sie allein diesen Beschäftigungen nachgingen. Die Botschaft an alle Arbeitgeber lautet zu Recht: Wenn ihr stupide Jobs vergebt, sorgt dafür, dass die Beschäftigten wenigstens Gesellschaft haben.

Im Homeoffice aber wirken andere Kräfte. Wer sich auf komplexe Tätigkeiten konzentrieren muss oder kreativ sein will, wird durch Gesellschaft leicht gestört. Nicht, weil sie allein langsamer arbeiten, sondern weil sie schneller sein möchten, erledigen viele Beschäftigte einen Teil ihrer Arbeit gerne zuhause. Und wenn die Arbeit interessant genug ist, wirkt die sogenannte intrinsische Motivation: die Lust auf die Arbeit, das eigene Interesse an der Sache.

Trotzdem braucht man auch als Homeworker Austausch, Anregung, Feedback, klar. Aber immer und ständig? Schreibe ich etwa schneller, bloß weil gegenüber einer sitzt und auch tippt? Und seufzt oder schnauft oder zu laut tippt oder stöhnt oder telefoniert oder mit dem Stuhl kippelt oder schmatzt oder mit den Knöcheln knackt oder mit den Fingern schnippt…?

Unsinn.

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Arbeiten, Denken | 2 Kommentare

Was wurde eigentlich aus… der Ich-AG?

Erinnert sich noch jemand? Was war das für ein Hype: Von Arbeitskraftunternehmern wurde geschwärmt, Existenzgründer sollten die Wirtschaft retten, Selbständige ihr Glück schmieden, wo die großen Unternehmen sich überlebt zu haben schienen…

So ganz hat das bekanntermaßen nicht geklappt. Die Vision von der Ich-AG schaffte es noch zum Unwort des Jahres (2002) und dann endete sie da, wo so viele enden: bei der Arbeitsagentur. Als Zuschuss zur Existenzgründung, bis 2006. Ein banales Ende – aber kein schlechtes, heißt es im Kurzbericht 3/2009 des IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung): Immerhin rund 60 Prozent der bezuschussten Gründer sind auch nach fünf Jahren noch selbständig, weitere rund 20 Prozent haben eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden.

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Denken | Kommentieren

Alles selber machen

Wer jetzt schon alles selber macht, kann ruhig noch mehr selber machen, nämlich seine Homepage selber bauen und pflegen. Darauf weist die Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel hin, die einen entsprechenden Kurs über das Content-Management-System Joomla dazu anbietet. Sicher sehr nützlich! Aber über den Tellerrand gefragt: Ist das jetzt eine technische Errungenschaft? Oder der Beginn der neuen Ganzheitlichkeit? Oder ein Zeichen des Abschwungs in der arbeitsteiligen Gesellschaft?

Autorin: Gudrun Sonnenberg | Themen: Denken, Lernen, Nützliches | Kommentieren